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Baumeister B08/13: Kuratiert von Stephan Trüby

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Stephan Trüby gehört zu den führenden Architekturtheoretikern in Deutschland. Er hat die Professur für Grundlagen Moderner Architektur und Entwerfen an der Universität Stuttgart inne und lehrte unter anderem an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, der Zürcher Hochschule der Künste, der Harvard University und der TU München. Für die von Rem Koolhaas kuratierte Architekturbiennale in Venedig im Jahr 2014 mit dem Titel „Elements“ fungierte er als Head of Research and Development.

In der für den Baumeister kuratierten Ausgabe gibt er uns einen exklusiven Einblick in seine Arbeit für die Biennale. Dort setzt er sich mit dem Thema 100 Jahre Moderne auseinander und stellt sich unter anderem die Frage, was der Begriff für die einzelnen Nationen bedeutet. Gleichzeitig wirft er einen Blick auf einen Akteur, der im Trubel der Biennale oft untergeht: die Stadt Venedig selbst.

Bitte beachten Sie: Diese Ausgabe ist leider nicht mehr als Printversion erhältlich, jedoch kann sie als ePaper erworben werden.

Inhaltsangabe Baumeister B06/2014 kuratiert von Stephan Trüby

Vita Stephan Trüby

Stephan Trüby

geboren am 19. März 1970 in Stuttgart, Deutschland

Stephan Trüby ist Architekturtheoretiker und Professor für Grundlagen Moderner Architektur und Entwerfen an der Universität Stuttgart. Nach seinem Architekturstudium an der AA School in London lehrte er unter anderem an der Universität Stuttgart, der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, der Zürcher Hochschule der Künste, der Harvard University und an der TU München. Für die Architekturbiennale Venedig 2014 fungierte er als Head of Research and Development.

Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit gibt es von Stephan Trüby auch politische Debattenbeiträge. Der Spannungsbogen reicht vom sozialen Wohnungsbau bis zum Thema der Rekonstruktionen historischer Altstädte in Deutschland.

Auszug Interview mit Rem Koolhaas und Stephan Trüby mit Michael Schindhelm

Wie erforscht man die Moderne und den Modernismus? Antworten gaben Rem Koolhaas, Stephan Trüby im Gespräch mit Michael Schindhelm.

 

Michael Schindhelm: Rem, die von dir geleitete Architekturbiennale Venedig 2014 heißt „Fundamentals“, doch dahinter verbergen sich drei verschiedene Themen für drei Bereiche der Biennale: Die Länderpavillons stehen unter dem Motto „Absorbing Modernity 1914–2014“, das Arsenale wird ganz der „Monditalia“ gewidmet sein, und im Padiglione Centrale in den Giardini wird die Ausstellung „Elements of Architecture“ zu sehen sein. Auf den ersten Blick könnte der Eindruck entstehen, dass du dreimal zurückschauen willst: einmal auf die politisch-architektonische Geschichte jener Länder, die auf der Biennale mit Nationenpavillons vertreten sind, dann, mit der Elements-Schau, auf die Geschichte der Architektur, und schließlich, mit „Monditalia“, auf ein äußerst geschichtsträchtiges Land in Europa. Man könnte sagen, dass du drei Mal mit der Erwartung an eine Biennale brichst, sich mit der Gegenwart auseinanderzusetzen, richtig?

Rem Koolhaas: „Elements of Architecture“ wird sicherlich der historischste Teil der Biennale sein. Doch eigentlich geht es weniger um Geschichte als darum, möglichst historisch informiert auf die Gegenwart und in die Zukunft zu blicken. Bei „Monditalia“ und „Absorbing Modernity 1914–2014“ liegt die Sache anders.

Michael Schindhelm: Wenn du davon sprichst, die Moderne zu absorbieren, frage ich mich, ob dies nicht auch dein Versuch ist, die Moderne als „modernism“ zu verteidigen?

Rem Koolhaas: Es ist wichtig, zwischen „modernity“ und „modernism“ zu unterscheiden. Modernism ist der Name einer künstlerischen Bewegung, die angegriffen und verteidigt werden kann. Modernityist ziemlich unabhängig von dieser künstlerischen Bewegung: Sie ist das Resultat einer politischen, ökonomischen oder kulturellen Entwicklung – sie anzugreifen wäre sinnlos. Es ist wichtig, die Moderne als modernity zu verstehen; man kann in ihr agieren und vielleicht positive Dinge darin etablieren.

Michael Schindhelm: Stephan, du bist von Anfang an in die Elements-Schau involviert gewesen. Wenn Du nun auf das langsam sich abzeichnende Endresultat schaust: Gibt es ein Hyper-Narrativ oder bleibt es bei der Summe seiner Teile?

Stephan Trüby: Rem hat ja eben bereits ein Hyper-Narrativ angedeutet. Hinzuzufügen bleibt, das wir für die Elements-Schau auf halbem Weg jegliche Vorstellungen von Ganzheit aufgegeben haben: Wir möchten keine Totalitätsvorstellungen von Architektur rekonstruieren – so nach dem Motto: Aus diesen Elementen besteht die Architektur, und nur aus diesen –, sondern die Teile in ihrer ganzen Einsamkeit als Teile belassen. Die Elemente stehen in Beziehung zu spezifischen anderen Elementen, aber kaum mehr für ein Ganzes, welches zum unerreichbaren Grenzwert geworden ist. Hinzuzufügen bleibt ebenso, dass die Architekturbiennale 2014 keine Biennale nur für Architektinnen und Architekten werden soll. Ich möchte ein Beispiel geben. Ich habe eine Doktorarbeit geschrieben zur Geschichte des Korridors, die gewissermaßen am Anfang dieser Elements-Schau stand. Immer wieder musste ich feststellen, dass sich die Architekten für dieses Thema gar nicht besonders interessierten, dafür aber Filmemacher, Theaterleute oder Schriftsteller. Mit der Elements-Schau passiert hoffentlich etwas Ähnliches: Indem wir scheinbar alltägliche Elemente ins Zentrum rücken – neben Treppe, Rolltreppe, Rampe und Korridor handelt es sich dabei um den Boden, die Wand, die Decke, das Dach, die Fassade, das Fenster, die Tür, den Herd, die Toilette, den Balkon und den Aufzug – können alle Zugang finden – nicht nur Architekten. Und Zugang zur jeweiligen Kulturgeschichte dieser Elemente finden Menschen vor allem über Geschichten – so im Falle des bereits erwähnten Treppenforschers Friedrich Mielke, der im Zweiten Weltkrieg ein Bein verlor und trotz dieses körperlichen Handicaps Tausende Treppen weltweit persönlich vermessen hat – unter teils größeren Schmerzen. Eine, wie ich finde, faszinierende Geschichte von Forscherobsession und Masochismus.

Das komplette Interview finden Sie in Baumeister 06/14 ab Seite 66.

Rem Koolhaas und Stephan Trüby während einer Diskussion auf der Architekturbiennale in Venedig. (Foto: Giorgio Zucchiatti – Courtesy: la Biennale di Venezia)

Stephan Trüby fungierte für die von Rem Koolhaas kuratierte Architekturbiennale als Head of Research and Development. (Foto: Giorgio Zucchiatti – Courtesy: la Biennale di Venezia)

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